Neues Exorzismus-Zentrum in Metro Manila schult Geistliche aus ganz Asien aus
In Metro Manila wurde das Michael Centre for Spiritual Liberation and Exorcism eröffnet, das als einziges spezialisiertes Zentrum seiner Art in Asien gilt. Die Einrichtung wurde vor etwa fünf Monaten ins Leben gerufen, um auf eine zunehmende Zahl von Fällen zu reagieren, die laut der Leitung des Zentrums stetig ansteigen.
Traumata, die durch Mobbing, sexuellen Missbrauch oder die Trennung von Familienmitgliedern aufgrund von Auslandsarbeit verursacht werden, ebnen vermehrt den Weg für vermeintliche spirituelle Angriffe. Der Priester Jose Francisco Syquia führt an, dass die Gründung des Zentrums notwendig war, um einen dauerhaften, sicheren und privaten Ort für Gebete und Rituale zu schaffen.
Das zweistöckige Gebäude wurde größtenteils durch Spenden von lokalen Familien finanziert, die zuvor von betroffenen Personen unterstützt wurden. Neben der Durchführung der traditionellen, etwa 400 Jahre alten Rituale in der hauseigenen Kapelle dient das Zentrum als Ausbildungstätte. Geistliche aus Ländern wie Singapur, Malaysia, Kambodscha und Indien suchen bereits dort nach Schulungen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist die Unterscheidung zwischen psychologischen und spirituellen Problemen. Obwohl das Zentrum nicht unter strenger Aufsicht des Vatikans steht, hält es sich an kirchliche Regeln, die eine Prüfung durch Fachpersonal für psychische Gesundheit vorschreiben. Das Zentrum arbeitet daher mit klinischen Psychologen, Psychiatern und Neurologen zusammen.
Die Existenz solcher Zentren wird in der medizinischen Fachwelt kritisch betrachtet. Christopher French, emeritierter Professor an der University of London, warnte davor, dass übernatürliche Erklärungen die rechtzeitige medizinische Behandlung verzögern könnten. Er verwies darauf, dass Erkrankungen wie Schizophrenie oder das Tourette-Syndrom in der Vergangenheit oft fälschlicherweise als Besessenheit interpretiert wurden.
In den Philippinen besteht zudem ein erheblicher Mangel an psychiatrischer Versorgung; laut Weltgesundheitsorganisation kommt auf 200.000 Einwohner nur ein Psychiater. Die Psychiaterin Dr. Kathryn Tan aus Manila wies darauf hin, dass das soziale Stigma bei psychischen Erkrankungen oft dazu führt, dass Betroffene eher einen Exorzisten als einen Arzt aufsuchen.
Trotz der unterschiedlichen Ansätze betonen sowohl Mediziner als auch die kirchliche Seite die Notwendigkeit, kulturelle Sensibilitäten zu respektieren. Während Dr. Tan versucht, die Lücke zwischen Kultur und Wissenschaft zu schließen, zeigt sich Pater Syquia zuversichtlich, dass Glaube und Wissenschaft koexistieren können, da er sich primär auf die spirituelle Dimension konzentriert, während der Körper stets ein Teil davon bleibe.
Quellen
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