Hohe Inflation und schwache Investitionen bremsen philippinisches Wirtschaftswachstum auf 2,3 Prozent
EditDas Wirtschaftswachstum der Philippinen hat sich im vergangenen Quartal auf 2,3 Prozent verlangsamt. Dieser Rückgang wird maßgeblich durch eine erhöhte Inflation und schwache Investitionstätigkeiten vorangetrieben, obwohl der Exportsektor sowie die Ausgaben im Energiesektor weiterhin positive Impulse lieferten.
Besonders deutlich zeigte sich die Schwäche bei den Investitionen in langlebige Güter, die im Berichtszeitraum um 13,6 Prozent zurückgingen. Unternehmen verzögerten nicht nur ihre Bauaktivitäten, sondern schränkten auch die Anschaffung von Ausrüstung ein. Dieser Rückgang wurde primär durch geringere Ausgaben für Maschinen und Transportmittel verursacht. Die Ausgaben für Straßenverkehrsmittel sanken um 28,4 Prozent, was vermutlich auf die Kombination aus hohen Kraftstoffkosten und einer schwächeren Nachfrage bei Fahrzeugkäufen zurückzuführen ist. Zudem brachen die Investitionen in Maschinen für den Bergbau und das Bauwesen um 42,7 Prozent ein, da Bauunternehmen ihre Anschaffungen reduzierten.
Ein Lichtblick blieb der Energiesektor: Die Investitionen in Maschinen zur Stromerzeugung stiegen im Jahresvergleich um 23,3 Prozent. Dies folgte auf ein massives Wachstum von 103,9 Prozent im ersten Quartal. Die Schwäche bei den Investitionen ist besorgniserregend, da sie nicht nur das aktuelle Quartal belastete, sondern auch das zukünftige Wachstumspotenzial der Wirtschaft einschränken könnte. Sollten die Investitionstätigkeiten aufgrund der Inflation, politischer Unsicherheit und einer schwachen Nachfrage dauerhaft niedrig bleiben, könnte die Wirtschaft mit einem geringeren Produktionspotenzial aus der aktuellen Verlangsamung hervorgehen.
Auch die private Nachfrage blieb mit einem Zuwachs von lediglich 2,8 Prozent schwach. Haushalte agierten zunehmend selektiv und teilten ihr Budget verstärkt für lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen auf, während sie bei diskretionären Ausgaben Kürzungen vornahmen. Erstmals seit dem Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2021 schrumpften die Ausgaben für Hotels und Restaurants um 0,2 Prozent. Auch im Bereich Erholung und Kultur war ein Rückgang von 0,8 Prozent zu verzeichnen. Die Auswirkungen der Ölpreisschocks zeigten sich zudem in den Transportausgaben, die im Jahresvergleich um 7,5 Prozent sanken.
Trotz dieser Gegenwindfaktoren zeigten der Exportsektor und der Konsum eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Die kombinierten Exporte von Waren und Dienstleistungen wuchsen um 12,2 Prozent. Während der Warenexport durch den Sektor der Halbleiter um 17 Prozent anstieg, verbesserten sich die Dienstleistungsexporte im zweiten Quartal um 6,9 Prozent. Insbesondere die Telekommunikation sowie Computer- und Informationsdienste legten um 9,0 Prozent zu. Auch die Unternehmensdienstleistungen expandierten um 5,8 Prozent, was darauf hindeutet, dass der Bereich der Business Process Outsourcing (BPO) trotz der Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz stabil bleibt.
Das makroökonomische Umfeld bleibt jedoch herausfordernd. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise und belasten damit die Kosten für Transport und Versorgungsleistungen. Gleichzeitig bleibt die Lebensmittelinflation ein großes Problem. Ein schweres El Niño-Ereignis könnte die landwirtschaftliche Produktion im späteren Jahresverlauf zusätzlich einschränken. Zudem sind die Preise für Düngemittel stark gestiegen, was die Inflation auch bei moderierenden Ölpreisen hoch halten könnte. Die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP), die Zentralbank der Philippinen, muss daher die Balance zwischen der Inflationskontrolle und der Vermeidung einer zu starken wirtschaftlichen Abkühlung finden. Eine weitere Anhebung des Leitzinses im Laufe des Jahres kann nicht ausgeschlossen werden, insbesondere falls die Auswirkungen von El Niño auf die Lebensmittelpreise gravierender ausfallen als erwartet. Sollte sich das Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte erholen, könnte die BSP den Fokus verstärkt darauf legen, die Inflationserwartungen zu stabilisieren.
Für die zweite Jahreshälfte besteht die Aussicht auf eine Verbesserung des Wachstums. Dies könnte teilweise auf günstige Vergleichseffekte zurückzuführen sein, da die staatlichen Bautätigkeiten im dritten Quartal 2025 bereits zurückgingen. Eine Stabilisierung bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten oder eine verbesserte Ausführung des Haushalts könnten somit zu einer deutlichen Steigerung der Wachstumsrate führen.





