Journalistenverband wirft Vizepräsidentin Duterte autoritäre Methoden vor
EditDie NUJP hat scharfe Kritik an Vizepräsidentin Sara Duterte geübt. Die Gewerkschaft wirft der Politikerin vor, autoritäre Taktiken anzuwenden, um die unabhängige Presse zu diskreditieren. In einer Stellungnahme bezeichnete die NUJP das Vorgehen als eine Methode, die man aus dem „Repertoire von Diktatoren“ kenne: Informationen würden kontrolliert, indem die freie Presse dämonisiert und soziale Medien für Propaganda instrumentalisiert würden.
Auslöser der Kritik waren Äußerungen der Vizepräsidentin während einer Rede vor philippinischen Unterstützern in Den Haag am 30. Juli. Duterte erklärte dort in philippinischer Sprache, dass die Qualität des Journalismus auf den Philippinen weit hinter internationalen Standards zurückbleibe. Sie verglich die Berichterstattung im Land mit der im Ausland und warnte, dass das Land keinen echten Fortschritt erzielen werde, wenn das journalistische Niveau auf dem aktuellen Stand bleibe. Zudem lobte sie soziale Medien als eine Plattform, auf der die Menschen die Wahrheit direkt sehen könnten.
Die NUJP wies diese Charakterisierung zurück und verwies auf die internationale Anerkennung, die philippinische Journalistinnen und Journalisten erfahren. Zwar räumte die Organisation ein, dass Redaktionen Fehler machen könnten, bezeichnete es jedoch als empörend, dass die Vizepräsidentin die Arbeit zahlreicher mutiger und ehrlicher Fachkräfte pauschal beleidige. Diese stünden trotz ständiger Bedrohungen für ihr Leben und ihre Sicherheit fest zur Wahrheit. Zudem stellte die NUJP die Darstellung infrage, soziale Medien seien eine Quelle der Wahrheit, da diese Plattformen bereits seit langem zur Verbreitung von Desinformation genutzt würden.
Die Kommentare der Vizepräsidentin fallen in einen Kontext, in dem sie zuvor angedeutet hatte, einen Schützen für 5.000 Pesos anheuern zu können, sollte eine andere Frau eine romantische Beziehung mit ihrem Ehemann eingehen. Danilo Arao, Professor für Journalismus an der University of the Philippines Diliman, merkte an, dass es für ein hochrangiges Regierungsmitglied höchst ungewöhnlich sei, dass die Vizepräsidentin sich lieber Vloggern als professionellen Journalisten zur Verfügung stelle. Arao sah darin ein Anzeichen für ein mangelndes Verständnis von Medienkompetenz.
Die öffentliche Kritik an den Medien folgt einem Muster, das bereits in der Familie Duterte bekannt ist. Der ehemalige Präsident Rodrigo Duterte griff während seiner Amtszeit Medienorganisationen massiv an, was unter anderem dazu führte, dass die Lizenz des Senders ABS-CBN im Jahr 2020 vom Kongress nicht verlängert wurde. Zudem wurden Verfahren gegen die Organisation Rappler und deren Geschäftsführerin Maria Ressa eingeleitet, von denen einige später abgewiesen oder aufgehoben wurden. Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen wurden die Philippinen unter der Präsidentschaft von Rodrigo Duterte zum gefährlichsten Land Asiens für Journalisten. Berichte des Philippine Center for Investigative Journalism dokumentieren zudem, wie pro-Duterte Facebook-Seiten und Influencer genutzt wurden, um gezielt positive Narrative zu verbreiten und Journalisten sowie Oppositionelle anzugreifen.




