Politik

Philippinen: Chinesische Finanzierung stockt bei verstärkter West-Philippinen-Meer-Politik

Die Regierung von Präsident Ferdinand Marcos Jr. hat sich von der pro-chinesischen Politik der Vorgängerregierung distanziert. Seitdem sind alle chinesischen Finanzierungszusagen gestoppt. Zwischen 2022 und 2023 wurden keine Projekte abgeschlossen.

Philippine traditional village
Symbolbild: Envato

Dr. Alicor Panao, Datenwissenschaftler beim Philippine Daily Inquirer und Professor an der University of the Philippines, erklärte, dass die Verfolgung chinesischer Finanzierungen allein anhand der zugesagten Milliarden Pesos irreführend ist. Die anfängliche Zusage stellt nur einen Bruchteil des Gesamtbildes dar.

AidData hat die Projekte nachverfolgt. Die Daten zeigen, dass die Fortschritte der Projekte von der Beziehung zwischen den Philippinen und China abhängen. Von 2001 bis 2010, unter Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo, wurden 31,4 Prozent der chinesisch unterstützten Projekte abgeschlossen. 42,9 Prozent blieben im Zusagestadium.

Unter Präsident Benigno Aquino III, von 2010 bis 2016, verschärften sich die Spannungen im West-Philippinen-Meer. Nur 14,3 Prozent der Projekte wurden abgeschlossen, während 71,4 Prozent im Zusagestadium blieben. 2012 kam es zu einem Konflikt um Panatag (Scarborough) Shoal. Ein Jahr später initiierte die Philippinen ein Schiedsverfahren gegen China.

Das Schiedsgericht entschied am 12. Juli 2016, dass Chinas Neun-Strich-Linie, nun Zehn-Strich-Linie, im Südchinesischen Meer keine Grundlage in internationalem Recht hat. China verletzte die Souveränitätsrechte der Philippinen in ihrer ausschließlichen Wirtschaftszone.

Unter Präsident Rodrigo Duterte, ab 2016, wurden 38,5 Prozent der Projekte abgeschlossen. Das war der höchste Wert unter den analysierten Regierungen. 17,3 Prozent der Projekte wurden umgesetzt. Panao nannte dies eine Phase der engen Zusammenarbeit mit Peking.

Zwischen 2022 und 2023 blieben 95,2 Prozent der chinesisch unterstützten Projekte im Zusagestadium. Nur 4,8 Prozent wurden umgesetzt, keines wurde abgeschlossen. Dies geschah parallel zu Manilas verstärkter Reaktion auf chinesische Aktivitäten im West-Philippinen-Meer und der erweiterten Sicherheitskooperation mit den USA.

Panao betonte, dass die Finanzierungspipeline zeigt, dass in Phasen der engen Zusammenarbeit mit Peking mehr Projekte umgesetzt werden. Mit zunehmenden maritimen Spannungen bleiben chinesische Zusagen jedoch im Zusagestadium stecken.

Der Rückgang der chinesischen Finanzierung schränkt den Zugang der Philippinen zu Infrastrukturinvestitionen ein. Gleichzeitig verringert er die Abhängigkeit von China als Entwicklungspartner. Dies gibt Manila mehr Spielraum für eine aggressivere maritime Strategie und Flexibilität bei der Verfolgung nationaler Sicherheitsinteressen.

Quellen