NAMFREL fordert stärkere Reform des Partei-Listen-Systems
Die National Citizens’ Movement for Free Elections hat das Parlament aufgefordert, ein stärkeres Reformgesetz für das Partei-Listen-System zu verabschieden. Zwei anhängige Maßnahmen im 20. Kongress sollen zusammengeführt werden, um politische Dynastien, Regierungsauftragnehmer und reiche Eliten daran zu hindern, Sitze zu besetzen, die für benachteiligte Bevölkerungsgruppen gedacht sind.
NAMFREL beobachtet seit über vierzig Jahren Wahlen auf den Philippinen. Die Organisation dokumentierte eine anhaltende Ungerechtigkeit. Das Partei-Listen-System, das von der Verfassung von 1987 geschaffen wurde, um die Stimmen der Benachteiligten zu verstärken, sei systematisch von den Interessen übernommen worden, die es herausfordern sollte.
Das Partei-Listen-System sollte Bauern, Fischer, Arbeiter, indigene Völker, Menschen mit Behinderungen und die städtische Armen vertreten. Stattdessen sei es von mächtigen politischen und wirtschaftlichen Interessen kolonisiert worden, kritisierte NAMFREL.
Die Organisation begrüßte die Einreichung des House Bill No. 9906 und des Senate Bill No. 2090. Beide Maßnahmen seien eine ernsthafte und willkommene legislative Antwort.
HB 9906, eingereicht von Parlamentspräsident Faustino Dy III, schlägt vor, das Partei-Listen-System in drei Spuren zu reorganisieren: sektoral, advocacy und regional. Der Entwurf würde auch Kandidaten ausschließen, die mit politischen Dynastien, Regierungsauftragnehmern, amtierenden Beamten und ehemaligen unterlegenen Kandidaten verbunden sind.
SB 2090, verfasst von den Senatoren Vicente Sotto III, Ronald dela Rosa, Imee Marcos, Bam Aquino, Risa Hontiveros, Loren Legarda, JV Ejercito, Kiko Pangilinan und Robin Padilla, will fünfzig Prozent der Partei-Listen-Sitze für traditionell benachteiligte Bevölkerungsgruppen reservieren. Der Entwurf verlangt auch, dass Kandidaten tatsächlich zu den Sektoren gehören, die sie vertreten wollen.
NAMFREL betonte, dass die beiden Gesetze sich nicht widersprechen. Sie seien komplementäre Instrumente, die dieselbe Krise aus verschiedenen Blickwinkeln angehen. Die Organisation forderte den Bicameral Conference Committee auf, die Maßnahmen zu einem einzigen, stärkeren Gesetz zusammenzuführen.
NAMFREL empfahl, das vorgeschlagene Dynastieverbot auf Verwandte aller amtierenden gewählten Beamten auf allen Regierungsebenen auszudehnen. HB 9906 schließt Kandidaten aus, die innerhalb des zweiten Grades mit amtierenden Senatoren und Abgeordneten verwandt sind. NAMFREL forderte, dass diese Einschränkung auch für lokale Beamte gelten sollte.
Die Organisation rief auch zu einem stärkeren Verbot von Auftragnehmern auf. Der fünfjährige Rückblickzeitraum in HB 9906 sei nicht ausreichend. Die Ausschließung solle so lange gelten, wie ein Regierungsvertrag, eine Konzession, eine Franchise oder eine öffentlich-private Partnerschaftsvereinbarung in Kraft bleibt.
NAMFREL forderte die Gesetzgeber auf, die sogenannte Substitutionslücke im Partei-Listen-System zu schließen. Die Organisation nannte die Fälle eines ehemaligen Sozialministers und eines ehemaligen Wahlkommissars, die versucht hatten, Partei-Listen-Sitze durch Substitution zu übernehmen.
Substitutionen sollten auf Tod oder dauerhafte Unfähigkeit beschränkt werden. Nach Ablauf der Einreichungsfrist sollten keine Ersatzleute zugelassen werden. Ein freiwilliger Rückzug sollte als abgeleistete Amtszeit gelten.
Das endgültige Gesetz sollte strafrechtliche Sanktionen und nicht nur administrative Strafen vorsehen. NAMFREL forderte Haftstrafen und Geldstrafen gegen Kandidaten, Partei-Listen-Beamte und Organisationen, die falsche Erklärungen abgeben oder die Zulassungsregeln verletzen.
Die Organisation forderte das Parlament auf, die Wahlkommission zu verpflichten, ein öffentliches digitales Register aller Kandidaten zu führen. Das vorgeschlagene Register sollte Vermögens-, Verbindlichkeits- und Nettovermögenserklärungen, Unternehmenszugehörigkeiten, Regierungsvertragsaufzeichnungen und Familienbeziehungsdeklarationen in einem maschinenlesbaren, offen zugänglichen Format enthalten.
Partei-Listen-Organisationen sollten auch die Finanzierungsquellen und großen Spender offenlegen. NAMFREL empfahl zudem verpflichtende öffentliche Anhörungen, bevor Partei-Listen-Organisationen registriert werden. Akkreditierte Bürgergesellschaftsorganisationen und Bürger sollten Beweise für Missstände vorlegen dürfen.