Marcos' letzte zwei Minuten: Lektionen aus Aquinos Amtszeit
Präsident Ferdinand Marcos Jr. steht vor den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit, die im Juni 2028 endet. In dieser Phase seiner Präsidentschaft teilt er sich mit seinem Vorgänger, Noynoy Aquino, die Herausforderung einer möglichen Präsidentschaft der Familie Duterte.
Aquino hatte bereits im Dezember 2011 eine wichtige politische Entscheidung getroffen. Damals beriet er sich mit seinen Beratern über die Amtsenthebung des damaligen Obersten Richters Renato Corona. Trotz Warnungen vor hohen politischen Kosten setzte er die Amtsenthebung durch. Am 12. Dezember 2011 reichte das Repräsentantenhaus die Anklageschrift ein und stimmte für die Amtsenthebung. Der Senat verurteilte Corona fünf Monate später. Aquino zeigte in seiner Amtszeit klare Ziele und war bereit, Risiken einzugehen, um diese zu erreichen.
Im Gegensatz dazu hat Marcos Jr. in seiner Amtszeit oft gezögert und wichtige Entscheidungen aufgeschoben. Ein Beispiel dafür ist die Amtsenthebung der Vizepräsidentin Sara Duterte. Im Februar 2025 wurde Duterte erstmals angeklagt, doch Marcos Jr. distanzierte sich von dem Verfahren und bezeichnete es als Zeitverschwendung. Trotz seiner Beteuerungen stimmte das Repräsentantenhaus, geführt von seinem Cousin Martin Romualdez, mit 215 Stimmen für die Amtsenthebung. Diese Entscheidung führte zu weiteren Komplikationen, da der damalige Senatspräsident Chiz Escudero das Verfahren verzögerte und es schließlich an den Obersten Gerichtshof weiterleitete.
Ein weiteres Beispiel für Marcos' Zögern ist die Entscheidung, ICC ausliefern sollte. Der ICC hatte im April 2025 einen Haftbefehl gegen Duterte erlassen. Marcos Jr. war hin- und hergerissen und fragte seine Berater, ob es eine Möglichkeit gäbe, den Haftbefehl zu verzögern. Dennoch war er über die Schritte informiert, die nationale Akteure unternommen hatten, um die Anklage vor dem ICC zu stärken.
Marcos Jr. hat in den letzten vier Jahren seiner Amtszeit oft zwischen verschiedenen Meinungen geschwankt. Berater berichten, dass er bereit ist, Ratschläge anzunehmen, jedoch Schwierigkeiten hat, Entscheidungen zu treffen, sobald er den Besprechungsraum verlässt. Ein Beispiel dafür ist die Ernennung des ehemaligen Chefs der Philippinischen Nationalpolizei, Nicolas Torre. Trotz seiner Erfolge bei der Verhaftung prominenter Personen wie Pastor Apollo Quiboloy und dem ehemaligen Präsidenten Duterte war Torre nicht auf der ursprünglichen Liste von Malacañang für die Nachfolge des Generals Rommel Marbil.
Die Unterschiede in der Handhabung von Macht und Entscheidungsfindung zwischen Aquino und Marcos Jr. sind deutlich. Während Aquino klare Ziele verfolgte und bereit war, Risiken einzugehen, hat Marcos Jr. oft gezögert und wichtige Entscheidungen aufgeschoben. Beide Präsidenten stehen jedoch vor der Herausforderung einer möglichen Präsidentschaft der Familie Duterte am Ende ihrer Amtszeit.