Erster Schusswaffenvorfall an einer Schule in den Philippinen
Am 22. Juni 2026 kam es an der San Jose National High School in Tacloban City zu einem Schusswaffenvorfall. Zwei Schüler der neunten Klasse, 14 und 15 Jahre alt, eröffneten das Feuer auf ihre Mitschüler. Drei Schüler starben, 20 weitere wurden verletzt.
Die Behörden identifizierten zwei Hauptmotive für die Tat. Zum einen hatten die Verdächtigen, die als Kinder in Konflikt mit dem Gesetz eingestuft wurden, einen Groll gegen ihre Mitschüler gehegt. Zum anderen hatten sie offenbar Schusswaffenangriffe an Schulen in den Vereinigten Staaten nachgeahmt. Ein Verdächtiger war nach Angaben der Polizei süchtig nach einem mobilen Spiel namens GoreBox, das grafische Gewalt und den Gebrauch von Schusswaffen zeigt. Sein Social-Media-Account enthielt gewalttätige Videos und Aufnahmen, auf denen er mit einer Schusswaffe schießt.
Die Polizei sprach von offensichtlichen Warnzeichen, die hätten verhindert werden können, wenn jemand aufmerksam gewesen wäre. Die Tat war nach Angaben der Ermittler über einen Monat lang geplant worden. Die Verdächtigen hatten sich auch mit dem Jugendstrafrecht vertraut gemacht, da sie wussten, dass ihr Alter sie vor einer schweren Bestrafung schützen würde.
Der Vorfall in Tacloban ist nun offiziell der erste Massen-Schusswaffenvorfall an einer Schule in der Geschichte der Philippinen. Die Gründe für die Tat sind nach Angaben der Ermittler nicht anders als die Gründe für ähnliche Vorfälle in anderen Ländern. Die Normalisierung von Gewalt durch Medien, Social Media und Videospiele trägt dazu bei, dass Gewalt als unterhaltsam, glamourös und alltäglich dargestellt wird.
Die Normalisierung von Gewalt in den Philippinen ist nicht neu. Sie ist tief in der kolonialen Geschichte des Landes verwurzelt. Die Vereinigten Staaten lehrten den Philippinen nicht nur Demokratie, sondern auch Gewalt als Teil ihrer Regierungslogik. Diese eingebettete Gewalt im politischen System, insbesondere die Idee, politische Konkurrenz zu eliminieren, reicht über ein Jahrhundert zurück.
Die Normalisierung von Gewalt zeigt sich auch in der Sprache. Euphemismen wie „Salvaging“ für außergerichtliche Hinrichtungen oder „painkillers“ für Auftragsmörder trivialisieren Gewalt und neutralisieren moralische Bedenken. Diese sprachliche Umdeutung macht Gewalt harmlos und entkoppelt sie von moralischen Überlegungen.
Um zukünftige Vorfälle zu verhindern, sei es nicht ausreichend, Metalldetektoren zu installieren oder mehr Polizisten in Schulen zu postieren. Die Polizei selbst gibt zu, dass sie nicht genügend Beamte hat, um alle 50.000 Schulen im Land zu bewachen. Stattdessen müsse die Gesellschaft die Normalisierung von Gewalt aktiv bekämpfen und Nonviolence fördern.
Nonviolence bedeutet nicht nur das Fehlen von physischer Aggression, sondern ist eine aktive, mutige Kraft für soziale Transformation. Es erfordert Disziplin, Training und den Willen, Gewalt durch Wahrheit, Empathie und moralischen Mut zu bekämpfen.