Wirtschaft

Cebu: BPO-Industrie an einem Wendepunkt

Die BPO-Industrie in Cebu steht vor großen Herausforderungen. Am 17. Juni 2026 reichte das BPO Industry Employees’ Network (Bien-Cebu) eine Petition beim Department of Labor and Employment und der Regional Tripartite Wages and Productivity Board 7 ein. Darin wird ein tägliches Mindestgehalt von 1.200 Peso für die Beschäftigten gefordert.

Rice Terraces In Philippines. Rice Paddies Valley Of Batad, Philippines.GreensandBlues
Symbolbild: Envato

Arbeitgeber in der Branche lehnen diese Forderung ab. Sie argumentieren, dass höhere Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit Cebus gegenüber globalen Rivalen in Indien und Vietnam beeinträchtigen könnten. Stattdessen setzen sie auf Investitionen in die Weiterbildung und Umschulung der Mitarbeiter.

Die Arbeitnehmervertreter fordern zudem die Abschaffung der sogenannten "floating status"-Bestimmung aus dem Arbeitsgesetz von 1974. Diese Regelung erlaubt unbezahlte Freistellungen. Stattdessen setzen sie sich für modernisierte Schutzmaßnahmen ein, wie sie im vorgeschlagenen Magna Carta für BPO-Mitarbeiter vorgesehen sind.

Cebu ist seit fast zwei Jahrzehnten eines der größten Outsourcing-Zentren des Landes. Hier arbeiten Zehntausende von Kundendienstmitarbeitern, technischen Support-Agenten, Finanzspezialisten und Back-Office-Mitarbeitern. Laut Haidee Enriquez, Präsidentin der Contact Center Association of the Philippines (CCAP), sind etwa 160.000 Vollzeitbeschäftigte der Branche in der Provinz Cebu tätig. Das entspricht 15 Prozent der nationalen BPO-Beschäftigten.

Die Branche steht derzeit unter doppelten Druck. Die Arbeitnehmer bemängeln, dass die Gehälter nicht mit der rapide steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten. Die Arbeitgeber hingegen kämpfen darum, in einem zunehmend überfüllten globalen Outsourcing-Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem müssen sie sich an die Anforderungen der künstlichen Intelligenz und veränderte Kundenanforderungen anpassen.

Die Diskussion dreht sich nicht nur um die Höhe der Gehälter, sondern auch darum, ob die philippinischen Arbeitsgesetze die Mitarbeiter in einer der größten privaten Branchen des Landes noch ausreichend schützen.

Die Petition von Bien-Cebu argumentiert, dass die aktuellen Gehaltsniveaus nicht mehr der wirtschaftlichen Realität der Region entsprechen. Die Inflation in Central Visayas lag im Mai 2026 bei 10,8 Prozent. Das ist der höchste Wert unter allen Regionen der Philippinen und der zehnte Monat in Folge, in dem Central Visayas die höchste Inflationsrate verzeichnete.

Die Inflation traf die einkommensschwachen Haushalte besonders hart. Sie lag bei 15,4 Prozent, während die Lebensmittelinflation auf 17,9 Prozent stieg. Einige Gemüsepreise stiegen um bis zu 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie Daten der Philippine Statistics Authority zeigen.

Bien-Cebu argumentiert, dass diese Preiserhöhungen alltägliche Notwendigkeiten wie Nahrung, Transport, Strom und Miete zunehmend unerschwinglich machen. Die Gruppe fordert auch, dass Gehälter über dem Mindestlohn angepasst werden, um eine Lohnverzerrung zu verhindern. Das bedeutet, dass Mitarbeiter, die nur leicht über dem Mindestlohn verdienen, den Wert ihrer Erfahrung verlieren, wenn der Mindestlohn steigt.

Die Arbeitgeber sehen die Situation anders. Sie argumentieren, dass die Unternehmen unter anderen Druck stehen. Laut Darwin John Moises, Vizepräsident der Cebu IT-BPM Organization, konkurrieren Outsourcing-Firmen um Verträge mit Anbietern in Indien, Vietnam und Teilen Lateinamerikas. Höhere Arbeitskosten könnten Cebu weniger attraktiv machen, wenn die Produktivität und die Fähigkeiten der Mitarbeiter nicht mit den Gehältern Schritt halten.

Statt sich allein auf Gehaltserhöhungen zu verlassen, setzen die Branchenführer auf größere Investitionen in die Weiterbildung und Umschulung. So können die Mitarbeiter in höherwertige Dienstleistungen wie künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Analytik und andere spezialisierte digitale Arbeiten wechseln. Aus Sicht der Branche bietet dies einen nachhaltigeren Weg zu höheren Einkommen, während die Wettbewerbsfähigkeit Cebus erhalten bleibt.

Kyle Enero, Präsident von Bien-Cebu, betonte, dass die Weiterbildung nicht das Hauptproblem sei. Vielmehr seien die niedrigen Löhne das zentrale Anliegen. Viele BPO-Mitarbeiter arbeiteten bereits über ihre Jobbeschreibungen hinaus und übernähmen mehrere Rollen, ohne entsprechende Gehaltserhöhungen zu erhalten. Enero unterstützt höhere Gehälter für weitergebildete Mitarbeiter, argumentiert jedoch, dass der Mindestlohn selbst ein lebensfähiges Einkommen bieten sollte, während sich die wirtschaftlichen Bedingungen weiter verschlechtern.

Neben der Gehaltsdebatte gibt es ein weiteres Problem, das die Arbeitnehmervertreter ansprechen: die Anwendung des "floating status". Diese Bestimmung stammt aus dem Arbeitsgesetz von 1974 und erlaubt unbezahlte Freistellungen. Die Arbeitnehmervertreter fordern modernisierte Schutzmaßnahmen, wie sie im vorgeschlagenen Magna Carta für BPO-Mitarbeiter vorgesehen sind.

Quellen